2004 Bregenz-Bozen

In drei Tagen (27.-29.08.2004) von Wien, via Gmunden und Treff mit Franz aus Eferding, 750er Suzuki, ‚Wiesl‘ Walter, Honda Africa Twin 750,  Andreas KTM LC4 640 Adventure, aus Linz und mir (Kawasaki ZR-7),  über den Arlberg nach Bludenz (Vbg), durch Liechtenstein und Graubünden (CH), über den Montespluga (Splügenpaß) zum Comosee (I), via Sondrio und Edolo nach Bozen und von dort nach Brixen und Lienz (Osttirol) über Villach, quer durch die Steiermark nach Wien retour. Tatsächlich gefahrene Kilometer am ersten Tag 674, am zweiten 451 km und am dritten 649 km. In Summe 1774 km. Kürzer gehts sicher, aber ‚verfahrer‘ gehören eben auch dazu.
Was vorher passierte…
Anruf am 19.8.von Franz: Fahrst mit in die Dolomiten?
Nachdem 14 Tage vorher eine gemütliche Plattensee-Tour stattgefunden hat, habe ich gefallen an den Biker-Kollegen gefunden. Also kein Problem, selbstverständlich bin ich wieder gerne dabei. Ich hatte auch gelernt, dass eine Strassenkarte, Müllsack, Motoröl und Kettenspray durchaus zur Grundausstattung einer längeren Tour gehören.
Einzig, das Wetter. Ich werde nicht mitfahren wenn es regnet. Gut.  Der geplante Start am Donnerstag 26.8. fiel dem Regen zum Opfer. Also Start am Freitag.
1. Tag, Start Wien5:15 Wetter schaut gut aus. Civi packen. Kaffee und Zigarette und um
6:30 ab. Tankstopp in Melk mit Zigarettenpause. Nachweislich in Amstetten der erste verfahrer. Kurz vor Steyr ein Leberkäsfrühstück beim Billa und Zigarette. Gegen
09:35 kurz nach Sierning Anruf bei Franz ‚Werde mich verspäten‘
11:00 Ankunft in Gmunden. Es wird mir die genaue Reiseroute vorgestellt. Ich habe den Eindruck ich habe da was falsch verstanden. Ausgemacht war eine Dolomiten-Runde. Jetzt gehts durch halb Europa. Aber ich bin fasziniert und zuversichtlich.
11:35 Endlich gehts richtig los – bis zur ersten Tankstelle am Ortsrand.
11:45 Jetzt geht’s aber los! Tank gefüllt, Blase entleert, auf geht’s!
ROUTE: Gmunden – Ebensee – Bad Ischl – St. Gilgen – Salzburg
Durch Salzburg nachweislich der zweite verfahrer. Aber da bin ich schon nicht mehr zuständig. Organisator und ‚Vorfahrer‘ ist Andi.
ROUTE: Salzburg – Bad Reichenhall – Steinpaß – Lofer – St. Johann – Wörgl
In Tirol viele 80 km/h-Beschränkungen und Überholverbote. Aber diese gelten bekannterweise für einspurige KFZ nicht (immer). Alleine beim Kollonnenvorbeifahren, wenn eine Weiße Kappe sichtbar wird, ordnet man(n) wieder ein. Rauchpause in Wörgl, tanken und Anruf zu Hause
ROUTE: Wörgl – Schwaz – Wattens – Innsbruck
ca. 15:00 Essenspause kurz nach Innsbruck; an den Preisen ist zu bemerken, dass wir immer weiter nach Westen kommen. ROUTE: Innsbruck – Telfs – Imst – Landeck – St. Anton – Arlbergpaß
ca. 19:30 Rauch- und Fotopause am Arlbergpaß; wunderschönes Panorama, keine Leute. Ich merke den Unterschied zur letzten (gemeinsamen) Plattensee-Tour: Wärmendes Inlet wär‘ ned schlecht. Die Hinweise, dass ich doch gewußt habe, dass es diesmal in die Berge gehen wird, bringt nicht wirklich wärme in die Glieder, aber den Kreislauf in Schwung. Gegen die Kälte nutze ich nun die wärmende Raiffeisenregenjacke.
ROUTE: Arlbergpaß – Bludenz, bzw. Ortschaft Bings/Stallehr.
20:30 Ankommen in Bings. Es beginnt der dritte verfahrer. Stallehr kann Andi nicht finden, dafür Bludenz = wir sind zu weit. Kurz gefragt, wieder zurück, durch Bings – weit und breit kein Schild wo Stallehr sein könnte. Anruf bei unserer Unterkunftgeberin, und wir machen uns einen Treffpunkt in Bings aus, wo sie uns abholt.
21:00 Endlich am Ziel. Obwohl vorher nicht ausgemacht, bewirtet uns Frau Schober spontan mit einer Speckjause und Bier. Generell kann ich die Unterkunft, Appartement mit zwei Doppelzimmer und Schlafcouch in der Wohnküche, empfehlen: gutes Preis-Leistungsverhältnis und freundliche, flexible Hauswirtin: Gerlinde/Herbert Schober, Stallehr 42, 6700 Bludenz, 05552-32327;0676/5296709
Der Raiffeisen ‚Viktorynix‘ öffnet zuverlässig alle Flaschen.
Gesamtkilometer ab Wien 674
2. Tag, Start Bludenz
8:00 Tolles Frühstück von Frau Schober. Nachdems heute so wirklich in die Berge gehen wird, ziehe ich das wärmende Raiffeisen-T-Shirt an.
9:00 on the road again
Die Durchfahrt durch Bludenz bringt uns nicht wirklich bei einem C&A vorbei. Ich hätte mir sonst einen Sweater gekauft. Der von Raiffeisen ist ja zu Hause.
ROUTE: Bludenz – Feldkirch – Schaan (LIE) – Vaduz
Vaduz: Spontan macht Andi einen Abstecher zu Schloß Vaduz – kein öffentlicher Zugang. Das Schloß an sich ist ein Weg umsonst, aber die Strecke bietet einige Ausblicke auf die Stadt, das Tal und die Bergkulisse dahinter.
ROUTE: Vaduz – Triesen – Balzers – Maienfeld (CH) – Landquart – Zizers – Trimmis – Chur
Auf schweizer Seite wunderbare Strecke mit malerischen Orten, leichten Hügeln, Steinmauern als Feldgrenzen.
ROUTE: Chur – Domat/Ems – Cazis – Thusis – Via Mala
Ab Thusis (welch ein Name!) – ich wollte auch eine Ortstafel fotographieren – aber scheinbar gibts in der Schweiz kein ‚Ende‘ Schild – geht’s zur berühmten Via Mala. Leider wollen auch sehr viele andere Leute (ganze Busse) die Schlucht sehen. Kurz stoppen, fotografieren, abhaken und weiter. Tolle Strecke im/am Fels über’m Hinterrhein!
 ROUTE: Via Mala – Zillis – Sufers – Splügen – Splügenpaß.
Von Splügen geht es Richtung Italien, auf den Montespluga, über den Splügenpaß bei 2113 Meter Höhe. Nach der Baumgrenze beginnt ein mächtiger Anstieg auf den Paß – heftige Serpentinen!
 ca. 12:00 Direkt am Paß ist die Grenzstelle Italiens, wo wir eine kurze Pause machen und fotografieren. Beeindruckender Ausblick!
ROUTE: Splügenpaß – Campodolcino
Schöne, leicht geschwungene Straßen mit einigen feinen Serpentinen über der Baumgrenze. Lästige Radfahrer die ohne Rücksicht auf Leib und Leben bolzen, sogar überholen und sich an möglichen, wie unmöglichen Stellen reindrängen und andere Verkehrsteilnehmer mehr als nötigen.
ROUTE: Campodolcino – Chiavenna
Der Wahnsinn gewinnt an Methode!!!!! Mörderstrecke! endlose Serpentinen, eher Stufen, einige alte Galerien – Bremsen, Schalt- und Bremshand lassen grüßen! – naja wir müssen ja auch von ca. 2000 Meter auf 333 Meter Seehöhe runter – bei minimalster Luftlinie. Ständig kommen uns „Hobby-Rennfahrer“ entgegen, alle Arten von Motorräder (ausser Supermotos, die offenbar in Italien nicht sehr verbreitet sind) in Höllengeschwindigkeiten, auch Quads – in Kurven teils nur auf zwei Rädern.
In Chiavenna machen wir Pause. Gezeichnet von der Strapaze, aber auch von den schönen Eindrücken – der Ausblick war ein Hammer. Es wird uns bewußt, dass es zeitlich knapp wird in Bozen vor Sonnenuntergang anzukommen und dass die Routen- und Zeitplanung sehr heftig ist – Ortler-Massiv ist sowieso gestrichen. Kopfschmerzen. Die gehen trotz Aspirin beim Frühstück nicht weg.
ROUTE: Chiavenna – Novate Mezzola (Comosee)
ca. 15:00 In Novate Mezzola gehen wir in ein Ristorante essen. Erholung ist es nicht wirklich, weil eine italienische Hochzeit tobt – leider keine schöne, so wie man sie manchmal im Fernsehen sieht. Sie wäre nicht so schlimm, wenn nicht zwei Typen auf ihren besseren Heimorgeln (die auch so klingen) rumhämmern würden und so für den akkustischen Hintergrund sorgen (den Begriff Musik habe ich bewußt vermieden). Einzig ‚Wiesel‘ Walter scheint es zu gefallen – er klatscht nach den Liedern und summt manchmal sogar mit.
Ab Novate Mezzola fahren wir noch kurz nach Süden und drehen dann Richtung Osten ab.
ROUTE: Novate Mezzola – Morbegno – Sondrio
Die Strecke ist alles andere als schön, ab Morbegno sogar richtig scheußlich: ca. 50 km Gerade mit permanentem Kolonnenverkehr. Andi betreibt aggressives, aber sicheres „Vorchecking“ – leider, weil wir dadurch viel zu viel Abstand zueinander bekommen und bei der Gabelung Umfahrung Sondrio, verliere ich den Anschluß. Telefonisch vereinbaren wir, dass wir uns in Edolo wieder treffen. Es beginnt der gesicherte vierte verfahrer.
ROUTE: Sondrio – Tresenda – Aprica – Edolo
Bis Tresenda ist die Strecke mehr oder weniger grauslich, aber ab dort geht es wieder über traumhaft kurvige Straßen ins Gebirge auf vorerst 1176 Meter zum Pso. dell’Aprica. Aprica dürfte ein bekannter, italienischer Tourismusort sein – hier spielt es sich extrem ab.
Die Strecke nach Edolo ist der absolute Traum. Die Straßensicherung ist nicht so, wie wir sie aus Österreich gewohnt sind – oft sind nur in großen Abständen einige niedrige Steinsockel.
18:00 In Edolo werde ich schon erwartet. Auf die Frage ‚ob mich noch Kopfweh plage oder ich wegen der Planung usw. grantig sei‘, wird als Antwort kolportiert: „Kopfweh hob i ned“. Wiesel probierts mit einer wohlwollenden Zukunftsaussicht: ‚Die nächste Tour stellen er und ich zusammen.‘ Die Strecke wird die gleiche sein, allein wir werdens für 5 Tage ausrichten.
ROUTE: Edolo – Ponte di Legno – Pso. d. Tonale (1883 Meter, an der Grenze zu Südtirol) – Dimaro – Revo – Pso. d. Méndola/Mendelpaß (1363 Meter) – Bozen
Ähnlich schöne Strecke wie zwischen Tresenda und Edolo, nur verläuft die Straße meist zwischen riesigen Obstgärten an den Berghängen. Und in der beginnenden Dämmerung beginnen die Bauern nicht nur ihre Weintrauben zu gießen, auch vorbeifahrend bekommst allerhand ab. Je näher wir zu Bozen kommen desto enger werden die Kurven und desto finsterer wird es.
Als wir sozusagen an der Bergkante zu Bozen sind, ist die Nacht schon voll hereingebrochen. Aber jetzt steht uns noch der Abstieg von ca. 1000 Meter auf 266 Meter bevor. Nach einigen Höhenmetern, über wieder sehr enge Serpentinen sind ‚Gott sei Dank‘ drei PKW vor Andi. Später beim Bier erzählt uns Andi ‚kurz habe ich überlegt zu überholen, entscheide mich aber anders und geniesse das Hinterher-Fahren. Ich gestehe ihm „Waunst de übahoid hest, het i a übahoid und het di daun in Berg obe tretn!“ Nach zwei Tagen mit der Gruppe hatte ich ca. 50 % meiner Gesamtkilometer seit Kauf meines Motorrades hinter mir. Es reichte.
Natürlich verfahren wir uns in Bozen wieder, die Größe von Bozen überrascht. Mehr oder weniger ziellos führt uns Andi durch die Stadt – es ist Nacht. Exakt nach Daumen mal Pi müssen wir in die andere Richtung – dort ist irgendwo unsere Unterkunft, der Gasthof Bad St. Isidor, Fam. Mayr. (Kampennerweg 31, 39100 Bozen; 0039 0471 365263). Bei einem Taxistand wird Rat gesucht – und gefunden. Aber noch lange nicht angekommen bei unserer Unterkunft: nochmal ca. 30 Minuten Serpentinen, diesmal aber hinauf – genau gegenüber dem Berg von dem wir runter gekommen sind!
ca. 22:30: Ziel erreicht! Beim Parken kippt Andi noch sein Motorrad unter’m Hintern weg. Passiert ist nichts, sowieso auch dem Motorrad nicht. O-Ton:  ’sonst hätte das Gefährt keine KTM werden dürfen‘
Kurz das Gepäck in den Zimmern verstaut und dann ab in die Gaststube auf ein Bier und eine Jause. Zum Pinkeln wieder auf Zimmer, da am Weg zur Toilette ein wahrlich prachtvoller Schäfer sein Revier bewacht. Wir vereinfachen auch die Route für den nächsten Tag. Planen die Dolomiten nicht zu durchfahren – komisch: was war eigentlich meine Animo zum Mitfahren? Keine unnötige Anstrengung mehr. Ich erkenne, dass nicht nur mir die Glieder (Hand) schmerzen, auch den Freunden geht es so. Die haben auch mit dem Sitzfleisch so ihre probs. Nachdem kein Einzelzimmer mehr verfügbar ist beschließe ich – bei Schlaflosigkeit  wegen möglicher Sägewerksgeräusche des Zimmergenossen – eventuell sogar vor Morgengrauen abzureisen; ausserdem habe ich noch mehr Kilometer zurück nach Wien, als die Freunde zurück nach Linz.
Gesamtkilometer ab Bludenz: 451
3. Tag, Start Bozen
5:00 Ohne Frühstück Abfahrt. Franz‘ Schnarchen ist nicht auszuhalten. Ich brauche eine Tankstelle. Dringend. Keine hat geöffnet. Bei Nachfrage gibt mir ein Taxler den Rat es bei einer 24-Stunden-geöffnet-Tankstelle zu versuchen. Hiebei ist die Zapfsäule mit ‚Bankomat‘ und Zahlscheinschlitz ausgestattet. Ich kenn mich nicht wirklich aus, und nach einigen Runden durch die Stadt beschließe ich – mit gemächlichem Tempo den Weg nach Hause zu suchen. Ungewohnt, so ohne ‚Führer‘. Und der Sprit wird weniger. Kurz vor Brixen bin ich drauf und dran entweder stehen zubleiben und auf die Freunde zu warten, oder überhaupt umzudrehen. Ich geb‘ mir noch 15 Minuten zu einem ‚ordentlichen‘ Bankomaten. Ich hab‘ zwar noch einen 100-,, € mit, aber die automatischen Tankanlagen nehmen nur bis zum 50ziger… In Brixen rein in die Stadt. Nach 50 m ein Bankomat!! Mit Wonne wieder zurück – auf die ‚Strasse nach Wien‘. Nach 5 Minuten eine Tanktstelle. Ich mach mich ein bisschen schlau – steck 20,– € hinein – 10er hatte der Bankomat nicht – und tanke für 10,– €. Retourgeld gibts trotzdem keines. (Habe zu Hause Esso ein Mail über den Vorfall geschrieben – Esso Österreich bedauert, dass das Tanken in Italien offensichtlich kein leichtes ist, und verspricht Rücküberweisung.) Ich ziehe mir wieder die wärmende Raiffeisenregenjacke an. Da die Strecke permanent an einem vorbeifließenden Bach/Fluß ?  liegt, zeitig am Morgen auch noch, ist es empfindlich kalt. ROUTE: Bozen – Brixen – Bruneck – Toblach – Silian (Osttirol) – Lienz
Die Strecke selbst in ein Traum. Kein Verkehr (Uhrzeit!). Gut ausgebaut. Zwischendurch versuche ich immer wieder mal die Freunde per Telephon zu erreichen. Keine Chance. Ich hinterlasse auf der Mailbox, dass ich bei Rückmeldung in Lienz auf ein gemeinsames Mittagessen warten werde. Ich werde zwar rückgerufen – beim Fahren! – probiere es wieder, und erreiche wieder die Mailbox. Ich tanke wiederrum gleich nach der Grenze. Schön, bei einer österreichischen Tankstelle sauteuren Sprit einzufüllen. Nachdem kein weiterer Kontakt mit den Freunden zustandekommt, mach ich mich auf eine gemütliche Tour heimwärts. Pause in Spital a.d. Drau. Einige Zigaretten und 50 Minuten ’nach Hause telephonieren‘. Über Villach, Feldkirchen, St. Veit a.d. Glan, Frisach, Neumarkt, Judenburg – zwischendurch bei Jet ausgesprochen billig getankt – und irgendwie hab‘ ich es geschafft mich nochmals zu verfransen – aber traumhaftes Wetter, wenig Verkehr, gut ausgebaute Strasse
17:00 at home.
In der Nachbetrachtung wurde auch transparent, dass Andi eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h und die Serpentinen offensichtlich per Luftlinie via www.map24.at gemessen hat.